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Wie ich so lebe,
sagt Redakteurin Lydia Grabenkamp (geboren 11/1925)

Ich gehe erst zu Bett, wenn ich wirklich müde bin.

Ich stehe grundsätzlich (möglichst ) nicht vor acht Uhr auf.

Ich mache morgens im Bett etwas Gymnastik.

Ich betreibe Haushalt als Sport, ohne Putzfrau.

Meine Wohnung muss Raum bieten und nicht vollgestopft mit unnötigem Trödel sein.

Dreimal in der Woche schwimme ich im Freien, auch im Winter, und liebe Wassergymnastik. Ich habe Gartenarbeit als Mittel gegen Rückenschmerzen entdeckt!

Ich mag es, wenn ich von Kopf bis Fuß gepflegt bin und liebe schöne Kleider.

Als ich noch einen Hund hatte, ging ich entsprechend viel spazieren.

Ich esse wenig, aber mit Genuss; eher Fisch als Fleisch und viel Gemüse.

Ich bin sparsam, hatte nie Schulden oder Ratenzahlungen. (Aber ich mache gern Geschenke)

Ich habe nie geraucht.
Wenn Alkohol, dann ein Glas Rotwein, ehe ich zu Bett gehe.
Bei Veranstaltungen: nichts essen, nur Mineralwasser!

Ich fahre seit 45 Jahren unfallfrei Auto; ab 80 J. muss ich auf Befehl meiner Tochter weite Strecken mit dem Zug fahren.

Ich liebe es, in nächtlicher Stille am PC zu schreiben, Gedanken zu disziplinieren. Deutsche Dichter zu lesen. Gedichte auswendig zu rezitieren.

Ich liebe Tiere.

Ich liebe es, Gäste zu haben, backe und koche gerne.

Ich liebe Menschen. (Meide Geizhälse und Pedanten.)

Ich kenne keine Langeweile.

Ich empfinde es als größtes Glück, dass ich noch im Alter in meinem Beruf als Redakteurin arbeiten darf. Ich mache das seit Januar 2002 ehrenamtlich im feudenheim-net.de. Vor allem, um das Leben in Feudenheim und Wallstadt von seinen positiven Seiten zu zeigen, was besonders die Arbeit der Vereine betrifft. Nur ungern berichte ich über negative Ereignisse, denn die anständigen Menschen wirken zumeist in der Stille, und denen sollte man in der Presse mehr Platz einräumen als den Krakeelern.

Wenn ich mich privat "outen" sollte, sage ich, dass ich sehr glückliche Zeiten in herzlicher und vertrauensvoller Liebe mit sehr akzeptablen Partnern hatte. Aus meiner Ehe mit dem Chefredakteur W.H. Grabenkamp gingen eine Tochter und ein Sohn hervor.

In meinen "gutbürgerlichen" Elternhaus wurde ich mit vier Geschwistern bescheiden erzogen, aber auf beste Schulen geschickt.(Mein Schulweg: 40 Minuten Fußmarsch wurden als selbstverständlich empfunden): Bei den "Schwestern Unserer Lieben Frau" bestand ich mit 17 Jahren das Abitur.

Das Redaktionsvolontariat machte ich bei der Westfalenzeitung, wo ich bald Schlussredakteurin für Lippe war. Nach Heirat und in den "Babyjahren" war ich eine begeisterte Hausfrau und machte den Kurs zur Hauswirtschaftsmeisterin. Leider starb mein kleiner Sohn.

1957 ging mein Mann beruflich nach Mannheim, wo wir seither lebten. Er erlitt 1971 einen schweren Herzinfarkt und konnte nicht mehr arbeiten. Ich pflegte ihn 17 Jahre, arbeitete aber immer als freie Mitarbeiterin bei Illustrierten und Tageszeitungen, dann mit vollem Einsatz bei der Bundesgartenschau 1975 in Mannheim. Ich war dort verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit, Presse und Auslandspresse. (Fremdsprachen: Englisch, Französisch, Italienisch und Latein). Diese Arbeit war ein "Traumjob", machte ich doch aus voller Überzeugung Reklame für dieses von mir getitelte "Sommerlange Fest" mit seinen herrlichen Blumen und dem dadurch entstandenen Luisenpark, einer Oase für die Mannheimer Bevölkerung.

Danach beanspruchte mich die Pflege meines Mannes vollständig. Zwei Jahre nach seinem Tod begann ich 1990 für den Feudenheimer Anzeiger zu arbeiten und leitete fast ein Jahrzehnt die Redaktion. Dann ging ich 2002 im Alter von 77 Jahren "ein bisschen aufs Altenteil", schreibe und fotografiere seitdem für die Aaronis Collection und gab kürzlich dafür das Buch "Hilde Sommerfeld-Hayn. Ich bin eine deutsche Jüdin" heraus und leite die Redaktion des feudenheim-net.de.

Ich bin sehr froh, wenn ich weiter am öffentlichen Leben von "Feidene" und Wallstadt teilnehmen kann, all die lieben Menschen hier treffe – und auch immer freudig empfangen werde. Die Leute wundern sich stets, dass ich in meinem Alter mit dem PC umgehen kann und auch digital fotografiere. Ich dagegen finde, das ist gar kein Kunststück. Man hat jetzt leichter arbeiten. Denn ich habe ja das Zeitungsmachen "in der Steinzeit" erlebt , mit Bleisatz und Umbruch und Drucken und Nachtarbeit (und leider auch dem langweiligen Sport-Tabellen-Schreiben). Tollste Neuerung waren einst nach dem Setzen in Blei der neue Klebeumbruch und Fotosatz, die schon wieder überholt sind, denn jetzt geht alles am Computer. Ja, wo sind meine lieben Schriftsetzer, der Bleigeruch und das Klicken der Linotypes, wo sind Handsetzer und Chefmetteure geblieben, und mein Korrektor möchte jetzt der PC sein, aber der ist mir zu langsam mit seinem doofen Rechtschreibprogramm.

Alles in allem bin und war ich eine glückliche Frau. Täglich danke ich Gott für meine gute Gesundheit, denn nur diese ermöglicht mir, noch so aktiv zu sein. (Allerdings brauche ich mein Mittagsschläfchen, so wie Adenauer!)

Ein Rätsel ist mir, warum ich meist gute Laune habe. Dafür muss ich ganz besonders dankbar sein.

An ärgerlichen Dingen sehe ich meist auch eine komische Seite und lache darüber.

Am komischsten finde ich, dass ich jetzt achtzig Jahre bin.
Also, wenn das nicht zum Lachen ist!

Lydia Grabenkamp