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Dinah Kayser
Tod auf Ormond Hall

(Ist auch unter dem Titel
'Was geschah wirklich mit Danielle'
erschienen.)

eBook (pdf-datei) als
eMail-Anhang € 3,20



Alte Rechtschreibung



Auf einer Party der englischen Botschaft in Athen lernt Michelle Bryant den gutaussehenden Kevin Ormond kennen, der sich zur Zeit in Griechenland aufhält. Sie verlieben sich ineinander. Schon bald stellt Michelle fest, dass Kevin rasend vor Eifersucht werden kann, aber irgendwie gefällt ihr das. Als er sie fragt, ob sie ihn heiraten möchte, sagt sie ja. Sie kündigt ihre Stelle bei der engl. Botschaft und fliegt einige Wochen später nach England.

Kevin holt sie vom Londoner Flughafen ab und bringt sie in das Stadthaus seiner Familie. Sie wollen erst am nächsten Vormittag nach Ormond Hall fahren. Bis auf zwei Bedienstete ist das Haus leer.

Als Michelle in der Nacht aufwacht, sieht eine durchsichtige Gestalt auf ihrem Bett. Sie ist erschrocken, zumal ihr die Gestalt vertraut vorkommt. Nach wenigen Augenblicken löst sich die Gestalt auf. Am nächsten Morgen ist die junge Frau überzeugt, nur geträumt zu haben.

Von Kevins Familie wird Michelle herzlich aufgenommen. Seinen älteren Bruder Edward, der krank ist und seit eines Unfalls von einem Pfleger betreut wird, bekommt sie nur wenig zu sehen.

Michelle fühlt sich auf Ormond Hall sehr wohl. Kevins Eltern hätten nichts dagegen, wenn sie bald heiraten würden. Sie fühlt sich etwas gedrängt und würde lieber noch mit der Hochzeit warten, doch weil sie Kevin liebt, willigt sie ein, dass die Hochzeit in wenigen Wochen stattfinden soll.

Auch auf Ormond Hall sieht Michelle ab und zu eine durchsichtige Gestalt, die ihr anscheinend etwas sagen möchte, doch es nicht kann. Da sie jedoch nicht an Geister glaubt, ist sie überzeugt, nur sehr lebhaft zu träumen.

Michelle erkundet oft die Umgebung. Besonders ein kleiner Turm hat es ihr angetan, der früher zu einer hohen Mauer gehörte, die den Besitz der Ormonds umgegeben hat. Als sie zum Söller des Turmes hinaufsteigen will, sieht sie erneut eine Lichtgestalt. Jetzt weiß Michelle, dass es kein Traum ist. Überrascht stellt sie fest, dass sie keine Angst empfindet. Sie fühlt sich der Gestalt unendlich verbunden.

Von Roger Nevins, einem Nachbarn der Ormonds, erfährt sie, dass man vor einigen Jahren am Fuß des Turms eine junge Frau gefunden hat, die vermutlich hinuntergestürzt worden ist. Ihren Mörder hätte man nie gefasst, doch es würde Gerüchte geben. Michelle fragt solange, bis ihr Roger Nevins sagt, dass nur Edward Ormond als Täter in Frage kommen würde. Seit dieser Zeit darf er nicht mehr unbeaufsichtigt sein.

Edward ein Mörder! Michelle ist Kevins Bruder immer etwas unheimlich gewesen, aber für gefährlich hat sie ihn nie gehalten. Sie fragt Roger nach der jungen Frau aus. Er sagt, sie hätte auch einen französischen Vornamen gehabt 'Danielle'. Michelle würde ihn an Danielle erinnern, obwohl sie ihr überhaupt nicht ähnlich sehen würde. Außerdem hätten sie etwas gemeinsam gehabt. Auch Danielle sei mit Kevin verlobt gewesen. Michelle ist entsetzt, dass es bisher weder Kevin noch seine Eltern für nötig gehalten haben, ihr von Danielle zu erzählen.

Sie sagt Kevin nichts von ihrem Zusammentreffen mit Roger, aber sie fragt ihn nach Danielle. Sie behauptet, von ihr gehört zu haben. Kevin erzählt ihr von Danielle und wie sehr er sie geliebt hätte. Noch heute hätte er ihren Tod nicht völlig überwunden. Er hätte ihr nur nichts von Danielle gesagt, um sie nicht wegen des Mordes zu erschrecken.

Zwischen Roger und Michelle entwickelt sich eine herzliche Freundschaft. Dann kommt Kevin dahinter und verbietet ihr, ihn jemals wiederzusehen. Er hält Roger für einen Emporkömmling, der zudem die Familie für den Tod Danielles zur Verantwortung hatte ziehen wollen. Kevin gesteht ihr, dass er Danielle im Verdacht hatte, mit Roger ein Verhältnis zu haben. Es hätte deshalb zwischen ihnen einen hässlichen Streit gegeben.

Trotz Kevins Verbot, kommen sich Roger und Michelle immer näher. Die junge Frau ist sich nicht mehr sicher, ob es wirklich Liebe ist, was sie für Kevin empfindet. Sie ahnt, dass er ihr in vielen Dingen nicht die Wahrheit sagt. Je näher der Tag der Hochzeit rückt, umso stärker werden ihre Zweifel. Sie spürt, wie ihr die Zeit davonläuft. Mit Rogers Hilfe bemüht sie sich, Licht in das Dunkel um Danielle zu bringen und gerät dabei in tödliche Gefahr.


Durch das offene Fenster drang das Jaulen eines Hundes. Michelle erwachte aus tiefem Schlaf. Ihre Hand tastete nach Kevin und griff ins Leere. Sie schlug die Augen auf. Ihr Blick fiel auf die Leuchtziffern der Uhr. Erst kurz vor halb drei. Gähnend richtete sie sich auf und schaltete die Nachttischlampe ein, bevor sie aus dem Bett schlüpfte und barfuss über den weichen Teppich zum Fenster ging. Als sie den Vorhang zurückschob, streifte der kalte Nachtwind ihr Gesicht.

Es war nichts von einem Hund zu sehen. Die junge Frau schloss das Fenster bis auf einen Spalt und kehrte zum Bett zurück. Erst jetzt entdeckte sie das Kärtchen, das an ihrem Wasserglas lehnte. Es trug Kevins Schriftzüge. 'Danke für das Glück, das du mir schenkst', hatte er geschrieben.

Michelle legte sich wieder hin. Ein verträumtes Lächeln umspielte ihre Lippen. Sie nahm an, dass Kevin sein eigenes Zimmer aufgesucht hatte, weil er sich nicht am Morgen von Elisa im Bett seiner Verlobten hatte ertappen lassen wollen.

Die junge Frau seufzte zufrieden auf. Trotz ihrer Sorge wegen Edward war sie nach wie vor davon überzeugt, dass sie und Kevin miteinander glücklich werden würden. Das Leben ging manchmal wirklich seltsame Wege. Hätte sie damals nicht an der Botschaftsparty teilgenommen, um Nancy einen Gefallen zu tun, Kevin und sie hätten einander niemals kennen gelernt.

Sie löschte es das Licht und hoffte darauf, noch ein paar Stunden schlafen zu können. Sie wollten am Morgen früh aufbrechen, um bis zum Lunch in Wales zu sein. Mit den Gedanken ihren Verlobten drehte sie sich zur Seite und schloss die Augen.

Kurz vor dem Einschlafen spürte Michelle wie jemand ihre Schulter berührte. Sie nahm einen schwachen Hauch von 'Cloe' wahr. "Kevin", murmelte sie schlaftrunken, wenngleich sie diesen Duft nicht mit ihm in Verbindung bringen konnte. Sie wunderte sich, dass sie ihren Verlobten nicht zurückkommen gehört hatte. "Ich dachte, du wärst in deinem Zimmer", sagte sie träge.

Warum antwortete Kevin nicht? Warum hörte sie nur ihren eigenen Atem? Michelle fuhr herum und schrie erschrocken auf. Trotz der Dunkelheit konnte sie dicht an ihrem Bett eine junge Frau erkennen, die ein weißes, wolkenartiges Gewand trug. Lange, blonde Haare lagen wie gesponnenes Gold auf ihren bloßen Schultern.

"Wer ... wer sind Sie?", fragte Michelle atemlos und wurde sich im selben Moment bewusst, dass ihr die Fremde irgendwie vertraut schien, obwohl sie sich ganz sicher war, sie nie zuvor in ihrem Leben gesehen zu haben.

Die junge Frau antwortete ihr nicht, aber ein flüchtiges Lächeln erhellte ihre Züge. Sie setzte sich aufs Bett. Ihre Hand strich so leicht über Michelles Arm, dass diese die Berührung nur erahnen konnte.

"Warum sagen Sie nichts?", fragte Michelle und richtete sich auf. "Leben Sie auch hier? Sind Sie eine Verwandte der Ormonds?"

Die Fremde berührte Michelles Verlobungsring. Ein schneidender Schmerz jagte durch den Körper der jungen Frau. Sie wich zurück, sprang auf der anderen Seite aus dem Bett. "Was wollen Sie von mir?", fragte sie atemlos vor Angst und ging rückwärts auf die Tür zu.

Die Fremde stand auf. Sie streckte die Hände nach Michelle aus. In ihrem Gesicht standen Trauer und Schmerz. Langsam drehte sie sich um und wandte sich dem Fenster zu, aber noch bevor sie es erreichte, verblasste ihre Gestalt und löste sich auf.

Michelle taumelte zum Lichtschalter. Keuchend stieß sie den Atem aus, als die Deckenlampe aufflammte. Im Raum hing immer noch ein Hauch von 'Cloe'. Wohin konnte die Fremde verschwunden sein? Obwohl sich die Gestalt vor ihren Augen aufgelöst hatte, konnte Michelle nicht daran glauben. Sie ging zum Fenster und blickte hinaus. Für einen Sprung nach draußen lag es viel zu hoch. Ob es in diesem Zimmer eine Geheimtür gab? Vielleicht führte sie zu dem Gang, von dem Kevin gesprochen hatte.

Die junge Frau überlegte, ob sie ihren Verlobten wecken sollte, aber dann befürchtete sie, von Kevin ausgelacht zu werden. Vermutlich würde er glauben, dass sie nur geträumt hatte. Und wenn sie nur geträumt hatte? Michelle war sich plötzlich gar nicht mehr so sicher, wirklich diese Gestalt gesehen zu haben. Wiederum nahm sie noch immer den Duft des Parfüms wahr.

Sie kehrte zum Bett zurück und schaltete das Nachtlicht ein.

Es war kurz nach drei. Sie war so müde, dass sie kaum noch einen klaren Gedanken fassen konnte, dennoch war sie überzeugt, nicht mehr einschlafen zu können. Als sie die Augen schloss, glaubte sie wieder die Fremde vor sich zu sehen. Unbewusst gab sie ihr einen Namen. "Danielle", formten ihre Lippen. "Danielle."