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Sharon Page
Das Geheimnis von Mooncastle      

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Drew Coleman hat alles, was sich eine junge Frau nur wünschen kann: Sehr wohlhabende Eltern, einen Freund, von dem sie glaubt, auch den Rest ihres Lebens mit ihm verbringen zu können, und sie steht am Anfang einer Karriere als Sängerin. Doch dann schlägt das Schicksal erbarmungslos zu. Ihr Wagen wird von einem Lastwagen von der Straße gedrängt. Wie durch ein Wunder überlebt die junge Frau. Bei einem weiteren Anschlag kommen ihre Eltern ums Leben. Kurz vor ihrem Tod gesteht Ellen Coleman Drew, dass sie nicht ihre leibliche Mutter ist. Ein Freund hatte sie zu ihnen gebracht, als sie knapp ein Jahr alt gewesen war. Er hatte davon gesprochen, dass sie in Gefahr sei.

Nach der Beerdigung ihrer Pflegeeltern, versucht Drew herauszufinden, wer ihre wirklichen Eltern sind. Die Suche führt sie zu Harriet Buttler, die in einem Pflegeheim in Cornwall lebt. Andrew Taylor, ihr Freund, kann sie nicht nach England begleiten, da er vertraglich gebunden ist.

Harriet Buttler ist nicht nur gelähmt und zeitweilig geistesgestört, sondern auch blind. Als Drew sie besucht, nennt sie die junge Frau Carolyn, wundert sich, dass sie am Leben sei. Sie wäre doch beim Absturz des Flugzeugs ums Leben gekommen. Sie erzählt, dass Carolyn die Tochter ihrer Cousine gewesen sei. Sie hätte eine wundervolle Stimme gehabt und Karriere als Sängerin gemacht, dann jedoch Jonathan St. Jones geheiratet und sich damit begnügt, seine Frau zu sein. Sie wären zusammen sehr glücklich gewesen. Kurz nach der Geburt seiner Tochter hatte Jonathan einen schweren Reitunfall. Auf seinem Totenbett hätte er noch bestimmt, dass Sarah sein Landgut und sein Vermögen erben sollte. Bis dahin war es bei den St. Jones üblich, dass immer nur ein Sohn erben konnte. Nun sei Jonathans Bruder Thomas der Besitzer des Anwesens.

Harriet ist erschöpft. Sie spricht von einem Kind, dass sie retten mussten, von einem unbestimmten Verdacht, aber alles ist zusammenhanglos. Drew verspricht ihr, sie am nächsten Tag wieder zu besuchen, aber plötzlich weiß Harriet nicht einmal mehr, dass sie Besuch hat.

In der Nacht telefoniert Drew mit ihrem Freund und erzählt ihm, was sie erfahren hat. Andrew rät ihr, vorsichtig zu sein. Er hat Angst um sie. Drew sagt, es wüsste ja keiner, dass sie in England sei. Aber sie würde fast annehmen, dass sie Carolyns Tochter sei, obwohl diese auch bei dem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sein soll.

Als sie am nächsten Vormittag in das Pflegeheim kommt, lebt Harriet nicht mehr. Sie hatte in der Nacht einen schweren Herzanfall. Kurz vor ihrem Tod hätte sie noch bestimmt, dass sie ihr Medaillon bekommen soll. Drew öffnet es. Auf der einen Seite zeigt es ein junges, sehr glücklich wirkendes Paar, auf der anderen einen Säugling. Hinter den Fotos stehen Namen: Carolyn und Jonathan St. Jones, Sarah St. Jones und das Geburtsdatum. Sarah hat am selben Tag Geburtstag wie auch sie.

Drew beschließt, nach St. Jones zu fahren. Seit einigen Jahren werden Räume im Seitenflügel des Herrenhauses an Fremde vermietet. Wenn sie wirklich Sarah St. Jones gewesen ist, dann hatten die Buttlers gute Gründe, sie zu verstecken. Sie vermutet, dass der Absturz des Flugzeugs geplant gewesen ist.



Über eine Reiseagentur kann sie tatsächlich ein Zimmer auf Mooncastle mieten. Das alte Haus liegt wundervoll direkt auf einer Klippe. Auf halber Höhe des Herrenhauses gibt es eine sehr alte Kirche. Als Drew sie zum ersten Mal betritt, hat sie genau wie beim Herrenhaus das Gefühl, schon einmal hier gewesen zu sein.

Bis auf Robert St. Jones, Sarahs Cousin, sind ihr die Bewohner von Mooncastle nicht sonderlich sympathisch. Doch mit Robert versteht sie sich gut. Immer wieder versucht sie geschickt, ihn nach der Familie auszufragen, zumal er bereitwillig darüber Auskunft gibt. Er spricht von dem Reitunfall seines Onkels. Er könnte sich noch daran erinnern, obwohl er noch ein kleiner Bub gewesen sei. Und dann der schreckliche Unfall seiner Tante und seiner Cousine. Nur dadurch hätte sein Vater das Gut übernehmen können. Er sagt, die Trümmer des Flugzeugs seien weit verstreut gewesen und die Leichen total verstümmelt. Drei seien überhaupt nicht gefunden worden, weil sie wohl das Meer verschluckt hätte. Erst jetzt erfährt Drew, dass der Pilot noch versucht hat, das Land zu erreichen und die Maschine gegen die Klippen geflogen ist. Auch Sarahs Leiche ist nie gefunden worden, aber es galt als sicher, dass sie im Flugzeug gewesen ist. Trotzdem können sie den Besitz nur treuhändlerisch verwalten. Erst nach Sarahs 30. Geburtstag geht tatsächlich alles an seinen Vater über.

Drew fragt, was sie machen würden, wenn Sarah tatsächlich wieder auftauchen würde. Robert sagt, ihm würde es nicht viel ausmachen, aber für seine Familie sei es eine Katastrophe. Besonders seine Großmutter würde darunter leiden. Sie würde es bestimmt niemals zugeben, aber er ist sich sicher, dass sie Sarahs Vater, ihren Stiefsohn, gehasst hat.

Eines Abends wird Drew bei einem Spaziergang von den Klippen gestoßen. Niemand kann sich erklären, wieso sie diesen Unfall überlebt. Noch in derselben Nacht wird ein weiterer Anschlag auf sie verübt. Der Mörder, der nicht nur Sarahs Eltern, sondern auch die Colemans auf dem Gewissen hat, ist entschlossen, das Werk, das er vor zwanzig Jahren begonnen hat, endgültig zum Abschluss zu bringen.


Tief in Gedanken versunken, fuhr Drew Coleman vierzehn Tage später zum Landhaus ihrer Eltern, das in den Bergen hinter Los Angeles lag. Seit ihrer Kindheit war sie es gewohnt, zwischen New York und Los Angeles hin- und herzupendeln. Nach ihrem Auftritt ist im ‚Stargate‘ hatte sie noch an drei weiteren Konzerten teilgenommen und jedes Mal großen Erfolg gehabt. Mrs. Wyhlers Bemerkung, dass sie dieselbe Stimme wie Carolyn St. Jones besaß, trug Früchte. Es gab kaum eine Illustrierte, die nicht darüber berichtet hatte. Und immer wieder, war auch über jenen schrecklichen Unfall geschrieben worden, bei dem Carolyn und ihre kleine Tochter ums Leben gekommen waren.

Drew hatte beschlossen, so viel wie möglich über Carolyn St. Jones zu erfahren. Wenn sie schon mit dieser großen Sängerin verglichen wurde, so wollte sie auch wissen, was für ein Leben Carolyn geführt hatte. Doch jetzt war sie mit den Gedanken bei Andrew. Sie waren am vergangenen Abend miteinander ausgegangen und sie fühlte, wie er von Tag zu Tag wichtiger für sie wurde.

Andrew und sie hatten sich vor einem Jahr an der Schule kennen gelernt, an der sie ihre Ausbildung als Sängerin abgeschlossen hatte. Andrew Taylor gehörte zu den Künstlern, die sich verpflichtet hatten, jungen Talenten beizustehen und ihnen Mut zu machen. Von Anfang an hatten sie sich zueinander hingezogen gefühlt. Als er sie zum ersten Mal zum Essen eingeladen hatte, hatte Drew nicht einen Moment gezögert, seine Einladung anzunehmen.

Konnte es Liebe sein, was sie für Andrew empfand? Unwillkürlich griff die junge Frau zu der Perlenkette, die sie um den Hals trug. Sie brachte es nicht fertig, sie abzulegen. "Sie soll dir Glück bringen", hatte ihre Mutter gesagt und sie glaubte fest daran, dass das auch so war.

Andrew hatte sie am Vormittag zum Flughafen gebracht. "Ich kann es kaum noch erwarten, dich wiederzusehen", hatte er gesagt und ihr versprochen, wenn es sich einrichten ließ, über das Wochenende nach Los Angeles zu kommen. Drew gestand sich ein, dass sie das Wiedersehen mit ihm kaum noch erwarten konnte.

Langsam fuhr die junge Frau die Bergstraße hinauf. Während der letzten Jahre war sie diese Straße unzählige Male hoch- und hinuntergefahren, dennoch war es für sie noch immer ein Erlebnis. Drew liebt die Landschaft um Los Angeles, liebte den Duft der Blüten, den der Wind durch die offene Fenster ihres Wagens trug. Auch wenn sie gern in New York lebte, es gab für sie kaum etwas Schöneres, als in Los Angeles zu sein.

Plötzlich tauchte hinter einer Biegung ein weißer Lastwagen auf, der direkt auf sie zu raste. Automatisch riss die junge Frau das Steuer ihres Wagens nach rechts. Entsetzt sah sie, dass der Fahrer des Lasters nicht daran dachte, ihr auszuweichen. Himmel, er will mich von der Straße drängen, ging es ihr durch den Kopf. Bereits im nächsten Augenblick wurde ihr Porsche von dem Laster erfasst und über die Böschung geschoben. Nein, dachte Drew entsetzt, nein, dann verlor sie das Bewusstsein.

Der Lastwagen hielt kurz vor dem Abgrund. Sein Fahrer stieg aus und schaute auf den Porsche hinunter, der tief unter ihm auf dem Dach lag. Ein böses und gleichzeitig zufriedenes Lächeln umspielte seine Lippen. Vor sich hin pfeifend kehrte er zum Lastwagen zurück und fuhr nach Los Angeles, um von dort seinen Auftraggeber anzurufen.