1. Liebe Edna, dein Roman spielt in Friesland. Weshalb gerade diese Gegend? Was fasziniert dich an ihr?
ES: Ich liebe und mich faszinieren die Landschaft, die Herzlichkeit der Menschen, der Himmel, der mich immer an Gemälde von Salvatore Dali erinnert. Die Wolken scheinen manchmal so tief am Himmel zu hängen, dass du glaubst, man muss nur die Hand ausstrecken, um sich eine davon zu pflücken.. Ja und auch das raue Klima ist genau das, was ich brauche. Ich mag es einfach, wenn mir der Wind so richtig alle Gedanken durcheinander pustet. Und dann diese Weite und die Ruhe. Weißt du, die Friesen lassen sich nicht hetzen. Für mich ist es jedes Mal ein Schock, wenn ich aus dem friesisch rauen Nordseeland in unsere hektische Rhein-Main-Region zurückkomme. Deshalb fahre ich auch so oft es nur geht nach Norden und versuche, neue Kraft zu tanken. Außerdem kann ich dort am besten meine neuen Romanideen zusammenphantasieren.
2. Hast du reale Begebenheiten, wie die "Deichleiche" eingebunden oder ist das reine Fiktion?
ES: Die Deichleiche ist zwar eine Fiktion, allerdings wurden im frühen Mittelalter tatsächlich Menschen in den Deichschluss "eingearbeitet", weil die Leute glaubten, so die See milde zu stimmen und den Deich haltbar zu machen. Zuerst waren es die berühmten Jungfrauen, später verurteilte Verbrecher und noch später dann Tiere. Das wurde noch sehr lange praktiziert, ich glaube bis ins 18. Jahrhundert hinein.
3. Du beschreibst pathologische Details und Kriminalarbeit. Wie lange hast du recherchiert? War es sehr aufwändig? Hast du dich gar mit der Kripo in Verbindung gesetzt?
ES: Nun, die Recherche dauerte auf mehrere Jahre, allerdings habe ich auch für andere Romane geforscht. Im Laufe der Zeit hat sich eine Reihe an diesbezüglicher Literatur angesammelt, auf die ich zurückgreifen kann. Auch Gespräche mit Staatsanwälten, Kripobeamten, Laboranten und Pathologen wurden geführt, die sich alle sehr auskunftsfreudig zeigten. Allerdings brauchte ich hin und wieder starke Magennerven, um diese Interviews und Besichtigungstermine durchstehen zu können. Die Faszination des Grauens, ich fürchte, ich gehöre zu diesen leicht perversen Menschen, die alles ganz genau wissen wollen und die solche Dinge ungemein interessieren.
4. Wie kam es zu deiner Zusammenarbeit mit dem Verlag Aaronis Collection?
ES:Das war eigentlich reiner Zufall. Ich hatte Anita Friedrich und Marietta Gommel zunächst als Schriftstellerkolleginnen auf einem Autorentreffen kennen gelernt. Es war Sympathie auf den ersten Blick. Wir hatten oder haben dieselbe Wellenlänge, können über dieselben Dinge lachen oder uns ärgern. Nun im Laufe der Zeit hat sich aus dieser Bekanntschaft fast so etwas wie Freundschaft entwickelt. Ich mag die beiden einfach. Deshalb habe ich sofort und wirklich gerne zugesagt als sie mich fragten, ob ich für sie arbeiten möchte.
5. Wird es einen weiteren Krimi von dir geben? Falls ja, verrätst du uns vielleicht, ob die Friesenfans unter uns sich auf den kühlen Norden als Schauplatz freuen dürfen?
ES: Ja, ich werde in der Tat einen weiteren Ostfriesenkrimi schreiben, der wie "Friesenfeuer" in Norden und Umgebung spielen soll. Und es werden darin auch wieder ein paar "Originale" vorkommen und auch ein paar Leute, die schon in Friesenfeuer mitspielten. Ferner ein Hund und die Seenotrettung... Aber mehr möchte ich hier noch nicht verraten. Nur so viel: Es wird gruselig.
6. Wie lange hast du an dem Roman geschrieben?
ES:Alles in allem ein Jahr. Allerdings nicht am Stück, sondern der Stoff bestand zunächst nur in Fragmenten. Dann kam die erste Fassung, die zweite, und die Dritte ging dann an meine Mrs. Ortho, eine Freundin, die meine Manuskripte äußerst kritisch liest und keine Zurückhaltung kennt, wenn es darum geht, mir die Fehler und Schwächen meiner Story unter die Nase zu reiben - lächel. Aber das ist gut so. Erst wenn Mrs. Ortho sagt, dass ich die Finger ab sofort vom Manus lassen soll, weil ich es nun nur noch verschlimmbessern kann, geht es in die Endkorrektur und dann in den Verlag.
7. Was machst du als Ausgleich zum Schreiben?
ES: Malen (nicht schön aber schön bunt), alte Dosen sammeln und zweimal pro Woche gehe ich ins Fitnessstudio, um meine vom Schreiben verkrampfte Muskulatur zu lockern. So wirke ich dem berühmten HWS und anderen Rückenproblemen entgegen, unter denen fast alle Schriftsteller leiden. Außerdem habe ich noch einen Hund und eine Katze, die mich in Bewegung halten und meiner Seele unheimlich gut tun.
Wir danken Edna Schuchardt für das sympathische Interview. Andromache (Lady's Lit)