Das Buch 'Zwangsarbeit im Kreis Olpe', geschrieben von Gerhard Hausen, entstand nach jahrelanger, sorgfältiger Recherche und beleuchtet eines jener düsteren Kapitel deutscher Geschichte, an denen die Zeit zwischen 1933 und 1945 so reich ist. Viel zu spät wurde in Deutschland von Politikern und Historikern das Thema Zwangsarbeit in der Nazizeit aufgegriffen und aus dem Dunkel der Geschichte an die Öffentlichkeit gebracht. Man wollte sich an die osteuropäischen Zwangsarbeiter, die beschönigend Fremdarbeiter genannt wurden, genauso wenig erinnern, wie daran, dass man Adolf Hitler gewählt hatte, er unsägliches Leid über den größten Teil Europas gebracht hat und Millionen von Menschen in seinem Namen ermordet wurden. Viel lieber grollte man im geheimen, manchmal auch offen, über Wiedergutmachungszahlungen und Opferverbänden, die nichts als ihr Recht forderten.
Dank des Krieges mit dem Deutschland halb Europa überzog, fehlten zu Hause natürlich die Arbeitskräfte. Was lag näher, als sie aus den unterlegenen Ländern, vorwiegend osteuropäischen, zu deportieren und die Männer und Frauen unter oft unmenschlichen Bedingungen bei schlechter Nahrung auf deutschen Feldern, in deutschen Fabriken, in deutschen Haushalten und dem Bergbau schuften zu lassen. Es gab unzählige Barackenlager, in denen sie dahinvegetieren mussten und für das geringste Vergehen grausam misshandelt wurden.
Gerhard Hausen zeigt in seinem Buch nicht nur den Weg auf, der dahin führte, dass sich weder die Landwirte, die maßgeblichen Leute in Bergbau und Industrie und der einfache Mann auf der Straße des Unrechts bewusst wurden, das den 'Fremdarbeitern' angetan wurde, sondern greift das Schicksal einzelner Zwangsarbeiter heraus. Erschütternd sind die Briefe, die von ehemaligen Zwangsarbeitern Jahrzehnte nach dem Krieg geschrieben wurden. Viele Deutsche, inzwischen längst im Rentenalter, mögen sich zwar nicht mehr an jene Zeit erinnern oder erinnern wollen, doch in den damaligen Opfern, soweit sie überlebt haben, ist sie nicht vergessen. Und sie ist auch nicht in jenen Archiven vergessen, die den 2. Weltkrieg überdauerten und noch heute Auskunft darüber geben. Das Buch stützt sich zum Teil auch auf die Aussagen von Männern und Frauen, die damals Kinder waren und ohnmächtig dem Treiben der Erwachsenen zusehen mussten. Wie hätten sie auch helfen können? Auch sie waren eingebunden in das System aus Größenwahn, Ideologie und Angst und zudem viel zu jung, um sich gegen die Erwachsenen stellen zu können.
Gerhard Hausen spart in seinem Buch auch nicht die Zeit nach dem Krieg aus, als die von den Siegermächten befreiten Zwangsarbeiter oftmals Rache an ihren früheren Peinigern nahmen, als Banden durch das Land zogen und das Leben im Nachkriegsdeutschland noch unsicherer machten als es ohnehin schon war.
'Zwangsarbeit im Kreis Olpe' ist ein sehr notwendiges Buch, ein Buch, das schon vor Jahren hätte geschrieben werden müssen, um den Menschen, die aus ihren Heimatländern zur Arbeit nach Deutschland, so auch in den Landkreis Olpe, verschleppt wurden, ein Denkmal zu setzen und einen Namen zu geben und nicht zuletzt auch, um uns vor Augen zu führen, dass die Forderungen der noch lebenden ehemaligen Zwangsarbeiter völlig berechtigt sind.